Koloproktologie

Spezialsprechstunde für Beckenbodenerkrankungen (BBZ)
jeden 1. Montag im Monat
Tel. +43 (0)50 504 50010

Spezialsprechstunde Koloproktologie [Behandlung von Erkankungen des Anus]:
jeden Mittwoch
Tel. +43 (0)50 504 50010

Spezialsprechstunde für HPV Erkrankungen
jeden Dienstag
Tel. +43 (0)50 504 50010

 

Betreffend der drei ACP-Grundkurse (Anatomie, Endsonographie und Beckenboden) informieren Sie sich bitte unter dem Punkt Fortbildungen, Kongresse unter den ausgeschriebenen Kursen.

Gemeinsam mit anderen Abteilungen der Medizinischen Universität Innsbruck gestalten wir auch das zertifizierte Beckenbodenzentrum Innsbruck, hierzu finden Sie nähere Informationen auf der Homepage des Beckenbodenzentrums.


Diagnostik, Behandlungen und Beispiele für Krankheitsbilder
Zu Beginn findet ein Gespräch zwischen Arzt und Patienten statt, hierzu sind Befunde oder Berichte sowie bereits erfolgte Bildgebung (MR, CT,..) eines vorhergehenden Arztbesuches hilfreich.

Es erfolgt danach die Untersuchung. Hierzu wird unsererseits eine Reinigung des Enddarms mit einem kleinen Klistir 1-2 Stunden vor der Untersuchung empfohlen. Der Arzt beurteilt dabei nicht nur die Haut, sondern tastet auch den Analkanal vorsichtig mit dem Zeigefinger aus, um Veränderungen im Enddarm und die Funktion der Schließmuskeln zu beurteilen. Anschließend führt der Arzt eine Spiegelung des Enddarms durch, diese Untersuchung ist praktisch schmerzlos und bedarf keiner Narkose oder Beruhigungsspritze. Dann erfolgt ein Beratungsgespräch, in welchem die weitere Behandlung festgelegt wird.

 

Untersuchungsmethoden in der Koloproktologie sind die Proktoskopie (Spiegelung des Mastdarmes und Analkanals), die Rektoskopie (meist flexibles Gerät zur Spiegelung des Dickdarms), die transanale sowie transperineale Sonographie (Ultraschalluntersuchung des Analkanales und der Schließmuskulatur), Kolon-Transitzeitmessung (Dickdarmfunktion) und die Anomanometrie (Messung der Schließmuskelfunktion). Die dynamische Beckenboden-Magnetresonanz (Darstellung des Defäkationsaktes zur Beurteilung der Beckenbodenfunktion) oder eine CT (Computertomographie) bzw MRT (Magnetresonanztomographie) finden an der Univ.-Klinik für Radiologie statt.In enger Zusammenarbeit mit anderen Fachgebieten wie Dermatologie, Gynäkologie, Urologie, Strahlentherapie, Gastroenterologie und Neurologie werden weitere Untersuchungen durchgeführt und Patienten auch gemeinsam behandelt. Eine Koloskopie (Spiegelung des gesamten Dickdarmes) und Dünndarmuntersuchungen erfolgen in der Ambulanz für Chirurgische Endoskopie unserer chirurgischen Klinik. 

Behandlungen
Wir führen viele Behandlung ambulant und unter Lokalanästhesie durch, wie Probeentnahmen verdächtiger Hautveränderungen, Gummibandligaturen bei niedriggradigen Hämorrhoidenleiden oder Entfernung von kleineren Wucherungen. Kleinere Operationen können auch tagesklinisch in Kurznarkose durchgeführt werden (z.B. Veröden von Feigwarzen), sodass der Patient am selben Tag auch wieder die Klinik verlassen kann. Andere Operationen wie Operationen bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, Beckenbodensenkungen, Fisteloperationen, operative Hämorrhoidenbehandlungen oder resezierende Eingriffe am Enddarm finden unter stationären Bedingungen statt.

Analfisteln
Als Folge von Abszessen im Analbereich können Fisteln entstehen bzw. verbleiben, die meist nässende Verbindungsgänge zwischen Analkanal / Mastdarm und der Perianalregion darstellen. Diese können immer wieder zu Abszedierungen und letztlich auch zu einer Zerstörung des Schließmuskels führen. Eine exakte Darstellung eventueller Fistelgänge durch die Untersuchung während der ersten Operation (Abszessentlastung) oder mittels bildgebender Verfahren (Fistelröntgen, Ultraschall oder Magnetresonanztomographie) einerseits, und eine vollständige Entfernung derselben durch spezielle chirurgische Verfahren andererseits, sind Schlüssel für eine erfolgreiche Behandlung des oft jahrelangen Fistelleidens.

Hämorrhoidalleiden
Jeder Mensch besitzt von Geburt an eine Zone von Hämorrhoidengewebe im Analkanal. Diese liegen ca. 1-4 cm weit innen und bestehen aus Pölstern, die unter der Schleimhaut liegen und je nach Funktionsleistung mit mehr oder weniger Blut gefüllt sind. Die Hämorrhoiden helfen dem Schließmuskel, den Mastdarm abzudichten und den Stuhl zu erkennen, sie haben damit eine wichtige Funktion. Erst wenn diese Hämorrhoidenpölster weiter an Größe zunehmen und nach unten treten, sodass sie schließlich als Knoten beim After zu spüren und zu reponieren sind und Beschwerden wie Juckreiz, Blutungen, Nässen oder Schmerzen bereiten, spricht man vom Hämorrhoidalleiden. Am Anfang kann man die Knoten noch zurück in den Analkanal hinaufdrücken, bei längerem Bestehen des Leidens sind die Hämorrhoiden dauernd außen vorgelagert.

Meistens liegt eine Veranlagung vor, aber auch Schwangerschaften, chronische Verstopfung, Bewegungsmangel und sitzende Berufe werden für das Auftreten von Hämorrhoidalleiden verantwortlich gemacht.

Wie werden Hämorrhoiden behandelt?

Die Behandlungspallette des leichten Hämorrhoidalleidens reicht von allgemeinen Empfehlungen wie Stuhlregulierung, Vermeiden von festem Pressen beim Stuhlgang und zu lange Stuhlsitzungen bis hin zur medikamentösen Therapie (Zäpfchen, Salben oder Tabletten) oder Unterbindung bzw. Verödung der vergrößerten Hämorrhoidalpölster. Sind die Hämorrhoiden weiter fortgeschritten, raten wir zur Operation. Diese kann das Entfernen der vergrößerten Hämorrhoidalpölster oder das Raffen der Mastdarmschleimhaut und damit Zurückdrängen der vorfallenden Hämorrhoiden bedeuten. Heute können wir die meisten Patienten, die nach neuen Methoden operiert werden, spätestens am zweiten Tag nach der Operation wieder nach Hause entlassen.

Analfissuren
Analfissuren sind ein häufiges und schmerzhaftes proktologisches Krankheitsbild. Eine Analfissur ist ein länglicher Defekt in der sehr sensiblen Haut des Analrandes. Analfissuren entstehen nicht nur primär durch lokale Reizungen bei sehr hartem Stuhl oder Durchfall, sondern auch sekundär als Begleiterkrankung, z.B. nach operativen Eingriffen oder bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa). In seltenen Fällen kann sich hinter einer Analfissur auch ein bösartiger Tumor oder eine Infektionskrankheit verbergen (z.B. Syphilis). Die Behandlung umfasst vor allem konservative und seltener chirurgische Massnahmen, wobei letztere eher bei längerbestehenden Analfissuren (chronische Analfissuren) angewandt werden.

HPV Infektionen im Analbereich
Anogenitale Infektionen mit humanen Papillomaviren (HPV) verzeichnen in den letzten Jahren gerade in jüngeren Generationen durch frühe sexuelle Aktivität eine steigende Inzidenz. Es gibt beinahe 200 verschieden bekannte Typen des Virus. HPV Infektionen können nach jahrelangem Bestehen mit bösartigen Tumoren im Genitalbereich und in der Analregion vergesellschaftet sein. Daher ist eine genaue Abklärung nicht nur durch den Gynäkologen, sondern auch durch den Chirurgen im Analbereich und manchmal auch des Urologen notwendig. Die häufigsten HPV Infektionen in diesen Bereichen äussern sich durch Feigwarzen (Condylomata acuminata), die durch Salben bzw. chirurgisch durch den Laser oder Abtragung mit dem Elektromesser in einer kurzen Narkose behandelt werden können. Wir bieten hierzu eine Spezialsprechstunde mit tagesklinischer OP-Möglichkeit an.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen 
(Morbus Crohn – Colitis ulzerosa)
Die konservative oder medikamentöse Therapie ist der zentrale Baustein in der Therapie der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Ca. 50% der Patienten, welche an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung leiden, benötigen im Laufe der Erkrankung einen chirurgischen Eingriff. Die Notwendigkeit bzw. Sinnhaftigkeit eines chirurgischen Eingriffs und vor allem das „Timing“ einer Operation wird interdisziplinär zwischen Gastroenterologen, Chirurgen und mit dem Patienten getroffen. Bei allen elektiven, d.h. im entzündungsfreien Intervall geplanten Operationen ist eine genaue präoperative Abklärung und Festlegen der Operationsstrategie essentiell. Der gut aufgeklärte Patient, welcher die Notwendigkeit der Operation und die Operationsstrategie versteht, trägt wesentlich zu einem besseren Ergebnis und komplikationsarmen Verlauf bei. Weiters ist eine präoperative Optimierung des Ernährungsstatus und der Immunsuppression wichtig.

Notfallmäßige Operation: Bei Blutung, Perforation (Darmdurchbruch), schwerer Colitis mit Sepsis oder Darmverschluss kann nur eine Notfalloperation die lebensbedrohliche Situation entschärfen. 

Geplante  (elektive) Operation: Eine häufige Indikation für eine elektive Operation ist sogenannte therapierefraktäre, d.h. auch nach Ausschöpfen aller konservativer Therapiemaßnahmen nicht ausreichend ansprechende Erkrankung. Dasselbe gilt, falls keine ausreichende Lebensqualität erreicht werden kann oder bei schweren Nebenwirkungen durch die konservative Therapie. Weiters ist die chirurgische Therapie bei jeglichen Verdacht auf maligne Entartung der Erkrankung, d.h. bereits bei Auftreten von hochgradigen Dysplasien im Kolon oder bei Verdacht auf maligne Entartung einer Fistel bei Morbus Crohn indiziert.

Operative Strategie: Während bei Morbus Crohn eine segmentale und möglichst darmsparende Operation das Ziel sein muss, wird bei der Colitis ulzerosa meist die komplette Entfernung des Dickdarms angestrebt. In den meisten Fällen gelingt es jedoch, durch einen Ileumpouch mit koloanaler Anastomose die Schließmuskelfunktion zu erhalten. Vor allem bei Erstoperationen wird an unserem Zentrum die Operation laparsokopisch d.h.: im Sinne der Schlüssellochchirurgie mittels weniger kleiner Schnitte videoassistiert ausgeführt. Neben der besseren kosmetischen Ergebnisse kann eine schnellere Rekonvaleszenz sowie ein verbessertes Körperbild erreicht werden.

Stuhlinkontinenz - ein Tabuthema?
AKönnen Stuhl und Winde nicht mehr bewusst zurück gehalten werden, spricht man von Stuhlinkontinenz. Die Ursachen dafür sind vielfältig und meistens müssen mehrere Faktoren zusammentreffen, damit ein Mensch inkontinent wird. Von dieser Problematik sind ungefähr 1 – 3 % der Gesamtbevölkerung und alle Altersgruppen betroffen. Obwohl viele unter Stuhlinkontinenz leiden, bestehen nach wie vor Hemmungen darüber zu sprechen und diesbezüglich einen Arzt aufzusuchen. Betroffene wissen meist nicht, dass es heutzutage sehr gute Behandlungsmöglichkeiten auf konservativer wie auch chirurgischer Ebene gibt. Der Schlüssel zur erfolgreichen Therapie ist jedoch unumstritten eine genaue Erkennung und präzise Abklärung der Problematik und Symptome. Daher ist ein offenes Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt der erste wichtige Schritt zur Verbesserung Ihrer Lebensqualität. Wir bieten eine Betreuung dieser Patientin im Rahmen unseres interdisziplinär geführten Beckenbodenzentrums an. Nähere Informationen sind auf der Homepage angeführt.

Der Beckenboden kann viele Krankheitsbilder verursachen und wird deswegen häufig von Gynäkologen und Urologen als auch Chirurgen betreut. Eine wichtige Stellung bei der primären Behandlung der Erkrankungen des Beckenbodens nimmt die spezialisierte Beckenbodenschulung durch einen ausgebildeten Physiotherapeuten ein. Wir arbeiten hier mit den PhysiotherapeutInnen in ganz Tirol und der umliegenden Bundesländer zusammen. Auch eine psychologische Betreuung kann im Rahmen unseres Zentrums angeboten werden. Manchmal sind darüber hinaus auch spezielle Operationen notwendig, die sowohl die Senkungsbeschwerden (zB Vorfall der Darmschleimhaut) als auch die Kontinenzleistung positiv beeinflussen.

Steißbeinfistel / Sinus pilonidalis

Bei der Steißbeinfistel handelt es sich um ein Krankheitsbild, das durch eingewachsene Haare in das Unterhautfettgewebe auffällt. Es kommt es zu einer chronischen entzündlichen Reizung und zur Ausbildung von Fistelgängen in die Tiefe. Die betroffenen Patienten leidern vor allem unter Schmerzen beim Sitzen, sowie Nässen und akuten Abszessen in der Steißbeinregion.

Kommt es zur wiederkehrenden Abszessbildungen, welche dann akut eröffnet werden, empfehlen wir danach die operative Sanierung des gesamten betroffenen Gewebes. Bei der Operation wird das Gangsystem sowie das chronische Entzündungsgewebe entfernt. Anschließend wird von uns eine primäre Verschließung des Defektes angestrebt, um einen großen Wunddefekt, der über mehrere Wochen ausheilen müsste, zu vermeiden. Für unsere gute Erfolgsrate ist dabei eine Operation in Vollnarkose sowie ein stationärer Aufenthalt mit eingeschränkter Bewegung für etwa 5 Tage notwendig