Qualitätsmanagement

► ChiBASE

Die Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie verfügt neben dem Klinischen Informationssystem (KIS) über ein proprietäres, qualitätsgesichertes und auditfähiges Dokumentationssystem. Dieses quality controlled Registry erfüllt alle Kriterien eines Registry-embedded Clinical Trials" und stellt damit ein einzigartiges Werkzeug der Qualitätssicherung und Versorgungsforschung dar. Darüberhinaus ist es obligatorsche Grundlage jeglicher translationaler Forschung.

Die Teilnahme aller Patienten an einer Universitätsklinik im Rahmen von Studien ist eine Vision, die bislang auf Grund verschiedenster Umstände nicht in die Realität umgesetzt werden konnte. Das Konzept der „Registry-embedded Clinical Trials" erfüllt einerseits alle Ansprüche an die überprüfbare Qualität medizinischer Daten auf höchstmn Niveau (Auditfähigkeit), und andererseits können erstmalig retrospektive Analysen mit dafür geeigneten statistischen Methoden (propensity score analysis) der Qualitätsstufe randomisierter klinischer Studien (RCT) gleichgestellt werden. Dieses revolutionäre Konzept ist in Teilbereichen durch das National Surgical Quality Improvement Program (NSQIP®) des American College of Surgeons (ACS) und durch einzelne nationale und internationale Register abgebildet, aber noch nie in der täglichen Routine an einer Klinik, außer an der Universitätsklinik für Chirurgie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) Salzburg, umgesetzt worden. Eine der wesentlichen Hürden waren bislang die fehlende Verfügbarkeit klinisch orientierter Dokumentationssysteme, der mit der Dokumentation verbundene vermehrte Zeitaufwand und die Unmöglichkeit, einen generellen Prototypen für mehrere chirurgischen Kliniken entwickeln zu können.

ChiBASE wird den ersten beiden oben genannten Ansprüchen gerecht und ist bereits im klinischen Alltag erprobt. Es stellt nicht nur ein Werkzeug für die Ergebnisqualität dar - und ist damit ein essentielles Instrument des Qualitätsmanagements sowie der klinischen als auch translationalen Forschung, sondern bildet auch die ebenso wichtige Prozessqualität klinischer Abläufe ab. Vom technischen Standpunkt aus ist es nicht an eine spezielle Software (Front-End) gebunden. Seine wesentlichen und unverzichtbaren Merkmale des Erfolges sind nämlich einerseits die Jargonkataloge (z.B. ICPM++ und ICD-10++) und andererseits der Grundsatz, dass Daten dort erhoben werden, wo sie anfallen - dies inkludiert auch mobile Dateneingabe mit Tablets. Diese Daten werden schlussendlich über verschiedene Ebenen, die im klinischen Alltag etabliert sind, überprüft. Zudem muss eine Datenauswertung (einerseits durch vorgefertigte Routinen und andererseits als Datenexport in Statistikprogramme) über alle verfügbaren Daten zeit- und personenunabhängig - also ohne Zuhilfenahme Dritter, erfolgen können. Es wird eine Codierung (Herzstück sind die Jargonkataloge) und im geeigneten Fall auch eine Stratifizierung der Daten durchgeführt. In Summe ergibt dies nicht nur eine für wissenschaftliche Zwecke hervorragende Datenqualität, sondern auch eine Wissensdatenbank, die nicht nur für die medizinische Leitung einer Universitätsklinik, sondern unter Abbildung ökonomischer Aspekte auch für die Verwaltung eines Krankenhauses, von essentieller Bedeutung ist.

 

► M&MC (Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen)

Zur Routinequalitätssicherung gehören regelmäßig stattfindende und strukturierte Besprechungen aller Todesfälle und Komplikationen an der VTT. Die Verantwortlichen an der VTT haben darin Erfahrung und internationale Anerkennung (D. Öfner: Multidisziplinäre Tumorboardkonferenzen im Patientensicherheitsmanagement; Gausmann P (ed.) de Gruyter Verlag 2015)

 

► MDT (Multidisziplinäre Tumorboards) 

Die Universitätsklinik für Chirurgie I (die Vorgängerchirurgie der VTT) war in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Strahlentherapie und Onkologie auf diesem Gebiet wegweisend, indem 1993 österreichweit das erste dieser modernen MDTs institutionalisiert wurde. Prof. Lukas (Direktor der Universitätsklinik für Strahlentherapie und Onkologie) und der damalige OA Dr. D. Öfner haben die ersten Konferenzen abgehalten. Heute ist das MDT aus dem klinischen Alltag nicht mehr wegzudenken und wird unter der Leitung von Prof. Öfner im Sinne von intradisziplinären Tumorboards mit den Chirurgischen Partnern in Nord-, Ost- und Südtirol, aber auch Vorarlberg, weiterentwickelt.

 

► Qualitätssicherheitsroutinen

Tägliche Routine

  • Morgenbesprechung: Beinahe-Fehler und Fallstricke in Schleifenansicht; Kontrolle OP-Programm des Tages; Journal Club und Wissensdatenbank, Erstellung und Archivierung von SOPs, Verwendung des „digital whiteboards"; Übersicht Qualitätssicherung (täglich Darstellung von dominanten klinischen Eckpunkten und von Tracerdiagnosen und -komplikationen); Kontrolle der Leistungscodierung (inkl. OP-Zeiten und Operateure), ad hoc-Korrektur, Stratifizierung (Notfall - frühelektiv - elektiv, Re-OP, ungeplant - geplant), Kontrolle der Codierung der intraoperativen Komplikationen; Dienstübergabe anhand einer Tabelle der Aufnahmen mit Stratifizierung (akut - geplant, Wiederaufnahme innert 14 Tagen, Übernahme aus anderen KHhs, Grund der Übernahme, Dekursierung); Besprechung und Stratifizierung der Todesfälle (mors in tabula - postoperativ (ICU, Aufwach, ICU, Obs, Station) - nach konservativer Therapie, stationär - ambulant; unerwartet - erwartet); Rö-Besprechung der AkutRÖ aus dem Dienst, Dekursierung
  • Indikations- und RÖ-Besprechung: OP-Programm nächster Tag, Indikationsbesprechung; RÖ vom Tag und für Patienten, die auf dem OP-Programm stehen, Dekursierung
  • Weitere tägliche Routinen: Stationsarbeit (Komplikationen, Infektionen, Dekursierung); Aufnahmedokumentation (Aufnahmediagnose, Art der Aufnahme); 
  • Aufnahme und Entlassungsdokumentation (DIN-A3 Entlassungsdokumentation, Reihung in Haupt- und Nebenleistungen sowie -diagnosen, Kopie der Fieberkurve, Charlson Komorbiditäts-Index); Gegenkontrolle OP-Dokumentation, OP-Vorschreibung

 

Wöchentliche Routinen

  • Tumorboardbesprechungen: Stratifizierung, Dekursierung
  • Chefvisite: Kodierung der Komplikationen, Dekursierung der Anordnungen
  • Liste der onkologischen Fälle mit Stratifizierung (für Tumorboardbesprechung nicht relevant, mit Grund [besprochen - nicht multimodal] - auf rezente Liste - das nächste Mal - für welche Tumorkonferenz)

 

Monatliche Routinen

  • M&MC: Folien im System, Stratifizierung, Wissensdatenbank, Dekursierung
  • Link zum Tumorregister Tirol mit Übermittlung der aktuellen Daten

 

Jährliche Routinen

  • Klausur (2x im Jahr): Strategieüberlegungen, Maßnahmen zur Effizienzsteigerung
  • Jahresbericht: Reporting über Leistungen