Funktionelle Chirurgie des oberen Gastrointestinaltrakts

Diagnostik
Mo - Fr 13.00 - 15.00 Uhr
Tel. +43 (0)50 504 50010

Bei chronischen Beschwerden ist eine genaue Abklärung des zugrunde liegenden Krankheitsbildes notwendig, um die richtigen Therapieentscheidungen zu treffen. Im Gegensatz zu anderen führen wir vor allem vor Operationen folgende Untersuchungen durch:

Magenspiegelung (incl. feingewebliche Analyse),
Druckmessung in der Speiseröhre (Manometrie),
Säuremessung in der Speiseröhre (pH-Metrie),
Refluxmessung in der Speiseröhre (Impedanzmessung).
Lebensqualitätsmessung und Symptomanalyse

Für die Magenspiegelung kann auf Wunsch des Patienten eine Sedierung (Schlafspritze) verabreicht werden, nicht aber für die Manometrie oder pH-Metrie. Für die Manometrie wird eine dünne Drucksonde über die Nase (lokale Betäubung der Nasenschleimhaut miittels eines Gels) in die Speiseröhre eingebracht. Man erhält durch diese Untersuchung Auskunft über die Funktion des Speiseröhrenverschlußapparates sowie über die Speiseröhrenperistaltik (Pumpfunktion).

Die Untersuchungsdauer beträgt ca. ½ Stunde. Zur pH-Metrie (od. Impedanzmessung) wird ebenfalls eine dünne Sonde über die Nase in die Speiseröhre vorgeschoben. Diese Sonde wird mit einem kleinen, tragbaren Computer verbunden, der den Säurerückfluß aufzeichnet. Die Dauer der Untersuchung beträgt 24 Stunden.
Alle von uns durchgeführten Untersuchungen erfolgen ambulant.

Refluxerkrankung

Die Refluxerkrankung ist die häufigste Erkrankung des oberen Verdauungstraktes in der industrialisierten Welt. Etwa 10% der erwachsenen Bevölkerung leidet darunter. Die Erkrankung beginnt meist mit der Ausbildung einer Hiatushernie (Zwerchfellbruch = Verlagerung eines Magenanteils in den Brustraum). Die Hauptsymptome sind Sodbrennen und Aufstoßen von Mageninhalt oft bis in den Mund. Schluckbeschwerden, Schmerzen in der Magengrube, Schmerzen hinter dem Brustbein sowie ein Beklemmungsgefühl (Globusgefühl) im Hals sind weitere häufige Beschwerden. Oft kommt es auch zu nächtlichen Hustenanfällen, Heiserkeit und chronischer Bronchitis. Das Zurückfließen von Mageninhalt in die Speiseröhre versursacht manchmal auch schwere Entzündungen, später Vernarbungen und dadurch bedingte Verengungen in der Speiseröhre. Gelegentlich kann bei schwerer, lange Jahre unbehandelter Erkrankung auch ein Speiseröhrenkrebs die Folge sein.

Therapie der Refluxerkrankung

Die Therapie der Refluxerkrankung wird zunächst medikamentös durchgeführt. Dazu werden Arzneimittel verabreicht, die die Magensäureproduktion einschränken (Protonenpumpenblocker). Diese Medikamente müssen in aller Regel dauerhaft genommen werden, da die zugrundeliegende Schließmuskelschwäche in der unteren Speiseröhre nicht beseitigt wird. Bei Absetzen der Medikamente treten meist wieder Refluxbeschwerden auf.
Patientenbroschüre Ernährung und Verhalten bei Refluxerkrankung

Eine operative Therapie ist dann angezeigt, wenn die medikamentöse Therapie nicht wirkt oder bei Vorliegen eines großen Zwerchfellbruchs (Hiatushernie) > 5cm, bei massivem Aufstoßen von Mageninhalt in den Mund (beim Bücken oder Liegen), bei schwerer Motilitässtörung der Speiseröhre oder bei begleitenden Atemwegserkrankungen. Die Operation nennt sich „Laparoskopische Fundoplikatio“(Fundoplikation). Sie wird minimal-invasiv (Knopflochchirurgie) über 5 Einstiche (5-10mm) in die Bauchhöhle durchgeführt. Dabei wird der Magenteil, der in den Brustraum verlagert ist, zurück in die Bauchhöhle gebracht, die Zwerchfelllücke um die Speiseröhre eingeengt und das Magendach (Magenfundus) von hinten um die Speiseröhre geschlungen. Dadurch kann der Schließmechanismus der Speiseröhre komplett wiederhergestellt werden. Der Krankenhausaufenthalt dauert ca. 4-5 Tage, die Patienten müssen sich für 2 Wochen nach der Operation flüssig ernähren (Postoperative Diät-Informationsblatt für Patienten: Flüssige Ernährung, Leichte Vollkost, Kostaufbau) und müssen für 2 Monate körperliche Schonung einhalten (keine schweren Lasten heben). Eine Kontrolle mit Druckmessung und Magenspiegelung ist erst nach 6 Monaten vorgesehen. Nach der Operation bestehende Schluckbeschwerden, Magendruck, Blähungen, Durchfall sowie Unfähigkeit zum Aufstoßen und Erbrechen sind normale Nebenwirkungen, die in aller Regel nach Wochen bis Monaten verschwinden. Der Erfolg der Operation liegt in unserem Krankengut langfristig (>10 Jahre!) über 85%. Gastroskopische Therapieverfahren (Nähen über das Gastroskop) zur Refluxbehandlung führen wir derzeit bewusst  nicht durch, da die Unwirksamkeit dieser Verfahren in der derzeitigen Form eindeutig belegt ist, sie eine nicht zu vernachlässigende Komplikationsrate aufweisen und gleich teuer wie eine Operation sind. Ein Sonderthema ist Reflux bei starkem Übergewicht. Dazu pflegen wir eine enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Adipositaschirurgie (LINK) im Hause.

Achalasie

Die Achalasie tritt ungleich seltener auf als die Refluxerkrankung. Jährlich kommt es pro 100 000 Einwohnern zu 5 Neuerkrankungen. Sie ist gekennzeichnet durch eine unvollständige Öffnung des unteren Speiseröhrenverschlußmechnismus während des Schluckens. Dadurch entstehen Schluckstörungen mit einem Engegefühl im Hals und Druckgefühl hinter dem Brustbein bis zum vollständigen Hängenbleiben eines Nahrungsbissen kurz vor dem Mageneingang. Die Ursache der Erkrankung ist meist unklar. Das Hauptsymptom der Achalasie sind Schluckbeschwerden, oft begleitet von fauligem Aufstoßen. Selten kommt es auch zu starken, krampfartigen Schmerzen hinter dem Brustbein. Gelegentlich ist eine Abgrenzung zur Refluxerkrankung aufgrund der Symptomatik schwierig, da auch die Achalasie Sodbrennen bewirken kann. 

Therapie der Achalasie 
Therapeutisch kommt zunächst eine Dehnung (Dilatation) des unteren Speiseröhrenschließapparates mit einem Ballon (Durchmesser 3 – 4 cm) zur Anwendung. Dazu ist ein 2-tägiger Krankenhausaufenthalt nowendig, der Eingriff wird in Sedierung (Schlafspritze) durchgeführt. Bei Versagen dieser Therapie oder bei jungen Patienten (< 40 Jahre) ist die operative Therapie indiziert. Ähnlich wie bei der Fundoplikation erfolgt die operative Therapie der Achalasie minimal-invasiv. Dabei wird der Speiseröhrenschließmuskel durchtrennt (Myotomie). Zusätzlich wird das Magendach von hinten herum teilweise um die Speiseröhre geschlungen (partielle Fundoplikation), um nach der Operation auftretendes Sodbrennen zu minimieren. Der Krankenhausaufenthalt beträgt ca. 4 Tage. Kostaufbau wie nach Antirefluxoperation ( Flüssige ErnährungLeichte VollkostKostaufbau). Als Nebenwirkung tritt gel. mildes Sodbrennen auf. Die Nachkontrolle erfolgt nach 6 Monaten mit Magenspiegelung und Druckmessung. Der langfristige Erfolg der operativen Therapie beträgt über 90%. Seltene Funktionsstörungen, wie diff. Ösophagusspasmus, eosinophile Ösophagitis, Nußknacker-Ösophagus, hypertensiver LES,  Leiomyomatose, Divertikel, etc. sind ebenso (je nach Häufigkeit ihres Auftretens) unser „tägliches Brot".