Burghard Breitner

Burghard Breitner wurde am 16.6.1884 als Sohn des Schriftstellers Anton Breitner in Mattsee bei Salzburg geboren († 28.3.1956), studierte in Graz, Kiel und Wien und promovierte 1908 zum Doktor der gesamten Heilkunde. Nach der Militärdienstzeit im Garnisonsspital in Triest war er Schiffsarzt ( Nordafrika, Nordamerika, Skandinavien) und wurde Assistent an der I. Chirurgischen Klinik in Wien bei Prof. v. Eiselsberg. Er sagte selbst: "Nach der ersten Vorlesung, die ich von Eiselsberg hörte, konnte ich mich des Wunsches nicht mehr erwehren, Chirurg zu werden. Es wurde mir erst viel später bewußt, daß für mich damals nicht das chirurgisch Fachliche der tiefste Grund der Anziehung war, daß vielmehr die Art der Krankenvorstellung, die menschliche Sauberkeit und die starke Betonung des ärztlichen Ethos den größten Eindruck auf mich ausgeübt hatten.
1912 im 1. Balkankrieg arbeitet er in Spitälern des bulgarischen Hauptquartiers, 1914 wurde er als einer der Ersten mit einer Kavalleriedivision nach Rußland eingezogen und geriet sehr bald in Gefangenschaft. Nach Kriegsende 1918 blieb er freiwillig in Sibirien, um den Kriegskameraden zu helfen. Erst 1920 kam er - als "Engel von Sibirien" bezeichnet - mit dem letzten Gefangenentransport nach Wien und an die I. Chirurgische Klinik zurück.

1922 erhält er die venia legendi, 1927 wird er zum Außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt.
Bereits 1928 lädt ihn die American Society for the Study of Goiter zu einer Operations- und Vortragsreise ein. 1930 wird er deren Ehrenmitglied. 1929 wurde er Primarius der Rudolfsstiftung in Wien, 1932 zum Vorstand der Chirurgischen Universitätsklinik nach Innsbruck berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1955 bleibt. Er veröffentlichte über 200 wissenschaftliche Arbeiten aus allen Teilgebieten der Chirurgie sowie zahlreiche Bücher. So zum Beispiel die Lehre von den Erkrankungen der Schilddrüse oder das Buch über Sportschäden und Sportverletzungen.  Gekrönt wurde das wissenschaftliche Werk durch die Herausgabe der berühmten Breitnerschen Operationslehre, die bis zum heutigen Tage laufend u.a. auch von seinen Nachfolgern im Amte ergänzt wird.

Neben der Wissenschaft war eines seiner Hauptanliegen das Rote Kreuz. Er selbst bildete Generationen von Rettungsmännern heran und wurde 1950 Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes. Er sagte selbst: "Anlässlich eines Fortbildungsvortrages für Rettungsleute kam ich zum ersten Mal nach Innsbruck. Der Eindruck war außerordentlich, der Wunsch, hier wirken zu können groß."

Aber nicht nur als Arzt war Breitner bekannt, sondern vor allem auch als Autor von Schauspielen und Dramen, Reisebüchern ( "Blick auf Japan", "Mormonen und Medizinmänner"), Kriegserinnerungen, ("Unverwundet gefangen") , berufsbezogene Bücher wie "Ärztliche Ethik", "Auflehnung gegen das biologische Gesetz", "Das Problem der Bisexualität". Sein wohl berühmtestes Buch wurde erst zwei Jahre vor seinem Tod abgeschlossen, es hieß "Hand an 2 Pflügen" und ist ein Memoirenband, der auch heute noch außerordentlich spannend zu lesen ist.

Für die Studenten der damaligen Zeit waren Breitners Vorlesungen eine unvergessene Quelle des Vergnügens. Prof. Blum in Feldkirch, der zwei Jahre lang sein Vorlesungsassistent gewesen war, stellte eine köstliche Folge von Anekdoten zusammen, ließ Zeichnungen dazu anfertigen und veröffentlichte dieses Buch im Eigenverlag.

Die Büste Prof. Breitners vor dem Großen Hörsaal der Chirurgie erinnert an diesen so vielfach Begabten.

Derzeit laufen Untersuchungen vom Institut für Zeitgeschichte in Bezug auf die Vergangenheit von Prof. Breitner. Über Ergebnisse werden wir zeitnah berichten.